Neuntes Kapitel.
Franz allein war voll Unruhe und Widerstreit.Es war ein seltsam geartetes Kind, wie es ineiner Ehe, die so oft von Zwietracht zerstört war,kaum anders erwachsen konnte. In der Kinderzeitscheuten sich Anfangs die Eltern, noch irgend einenZerfall vor dem Kinde laut werden zu lassen, nachund nach aber verlor sich diese Zurückhaltung, ja diehässigcn Reden des einen und des andern wurdenimmer an das Kind gerichtet, da hieß cs oft: „DasVermögen kommt Alles von deinem Vater her, darumdarf er's verlumpen" und andererseits, „dein' Mutterkann in ihren jungen Tagen nichts als pruchzcn undflennen." Es fielen aber auch noch unumwundeneund viel derbere Reden, und das Kind stand dazwischen,wie wenn wilde Vögel ihm um's Haupt schwirrtenund wußte nicht, wie ihm geschah. Wenn der Zwie-spalt auf's Aeußerste gediehen war, und doch wiederein Jedes innerlich fühlte, wie sehr es an das anderegebunden war und nur den Weg zu dieser Aeußcrungnicht finden konnte, dann haschte ein Jedes nach demKinde und schwur auf sein Haupt: „Wenn du nicht