Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
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Helm behauptete ein für allemal, er habe es versäumt,seine jungen Jahre zu genießen und müsse das jetztnachholen. Von jener Zeit an sah Martha, welch'ein Leben ihr geworden war, sie ließ Alles ohne Wider-rede geschehen, den Güterverkauf, den Fruchthandel,die Schafhaltcrei; sie hatte einen Mann, der sie desReichthums wegen geheirathet, und der nun, dessen ge-wohnt, ihrer kaum mehr achtete und seine Freude außerdem Hause suchte. Das war aber nicht immer der Fall,denn Diethelm hatte Zeiten, da er voll Ehrerbietunggegen seine Frau war und sie scherzweise Meisterinnannte, und die Frau hatte bei all' ihrem vergrämtenWesen doch oft Mitleiden mit dem Mann, der vielleichtmit einer jungen minder begüterten Frau glücklichergeworden wäre. So lebten diese Leute schon zwei undzwanzig Jahre in der Ehe und hatten noch ihre Eini-gung nicht gefunden, und doch strebte eigentlich imInnersten ein Jedes dem andern zu Gefallen zu lebenund war auch viel Streit und Zank zwischen ihnen,war das eine vom andern entfernt, gedachten sie mitinniger Sehnsucht einander und die Frau besonderswar dann bestrebt, gegen Jedermann ihren Diethelmzu preise». An Fränz, wenn sic zu Haus war undnicht nach ihrer Gewohnheit den Vater überall geleitete,hatte sie keine Stütze, denn das Mädchen hatte dashoffärtige Wesen ihres Vaters geerbt, Großthun, dieWelt in Neid von sich reden machen, war ihr ewigesDichten und Trachten, und sie schalt wie Diethelmdie Grämlichkeit und das Schwarzsehen der Muttereine Alterskrankheit, die sie höchstens bemitleidete.