196 Ideen zur Philosophie
drücken und Gedanken erregen; ohne Zweifel hielteman dies Problem für den Einfall eines Wabn-sinniacn, der höchst ungleiche Dinge einander sub-stikulrend, die Farbe zum Ton, den Ton zum Ge-danken , den Gedanken zum mahlenden Schall zumachen gedachte. Die Gottheit hat das Problemthätig nufgelösct. Ein Hauch unsres Mundes wirddas Gemahlde der Welt, der Typus unsrer Gedan-ken und Gefühle in des andern Seele. Von einembewegten Lüftchen hangt alles ab, was Menschen jeauf der Erde menschliches dachten, wollten, tbatenund thun werden: denn alle liefen wir noch inWäldern umher, wenn nicht dieser göttliche Othemuns angehaucht hakte und wie ein Zauberton aufunfern Lippen schwebte. Die ganze Geschichte derMenschheit also mit allen Schätzen ihrer Traditionund Eultur ist nichts als eine Folge dieses aufge-lösten göttlichen Rathsels. Was uns dasselbe nochsonderbarer macht, ist, daß wir selbst nach seinerAuflösung bei täglichem Gebrauch der Rede nichteinmal den Zusammenhang der Werkzeuge dazu be-greifen. Gehör und Sprache hangen zusammen -denn bei den Abartungen der Geschöpfe verändernsich ihre Organe offenbar mit einander. Auch sehenwir daß zu ihrem Consensus der ganze Körper ein-gerichtet worden; die innere Art der Ausammenwir-kung aber begreifen wir nicht. Daß alle Affekten,insonderheit Schmerz und Freude Töne werden, daßwas unser Ohr hört, auch die Zunge reget, daßBilder und Empfindungen geistige Merkmale, daßdiese Merkmale bedeutende, ja bewegende Sprachesenn können — das Alles ist ein Conrent so vielerAnlagen , rin freiwilliger Bund gleichsam, den der