II. Antiquarische Aufsätze. 423
dachte an metaphysische Abtrennungen dcS sichtbarenund unsichtbaren Thcils schwerlich.
Träume waren eS, die auf so wunderbar-leb-hafte Art Erinnerungen auS der Vorzeit mit Blickenin die dunkle Zukunft paarten, die das Entferntedem Menschen nahe brachten und auch die abgeschie-denen Geliebten aus ihrem Schattenreich in seineGesellschaft zurücksühcten. So erscheint dem schlafen-den Achilles sein Freund Patroklus; er erwacht undglaubt dem Traume und so sind unter alten Natio-nen der Erde die Begriffe vom Tode und dem Tod-tenrcich vorzüglich aus Bildern der Nacht, des Schla-fes und Traums zusammen gedichtet worden.
Wenn man also so gern vom Tobten sagte:„er schlaft!" was war natürlicher als daß der Schlafein Bild des Todes auch in Ausdrücken der Sprache,Kunst und Dichtkunst wurde?
Und da weder Kunst noch Dichtkunst den Be-griff von Aehnlichkcit beider besser sinnlich machenkonnte, als daß sie solche zu Brüdern schuf: werkonnte ihre Mutter seyn, als die Nacht! Als Kin-der kamen sie also der Mutter Nacht in die Arme*)und auch bei den ältesten Dichtern der Traditionwaren sie schon Brüder. **)
*) Usnsan. lilli'ac. c. 18. lVlonrknnLon sritignit.compeiiel. Lemleri tnb. 1Z2. Z.
**) Ilinä, 7N. 68i. 82. 1'Iieogon. 756.
Orpkei b;-mn. 84. v. 8. Lessing (S. 78.)zweifelt, daß der schwarze Genius in den Armen