4 «4
II. Antiguarische Aufsätze.
gern das Unendliche im Sinn haben und glauben,daß die Vorsehung immer nur dazu mit uns beschäf-tigt se>)n müsse, um uns aus unfern Grenzen zurücken, unlre Schranken unendlich zu erweitern unduns die Ewigkeit in der Zeit d. i. den Ocea» in derNußschale zu genießen zu geben. Unsre Metaphysikund Wortphilosophie, und unser Jagen nach Kennt-nissen und Gefühlen, die über die menschliche Naturhinaus sind, kennt keine Schranken und so sinkenwir, nachdem wir uns in jungen Jahr.n vergeblichaufgczehrt haben, im Alter wie Asche zusammen,ohne Form des Geistes und Herzens, vielmehr alsoohne schönere Form der Menschheit, die wir dochwirklich erreichen könnten.
Wie selten ist in manchen Zeitaltern der Ge-schichte jene einfältig schone Gestalt, nach der diebesten Menschen des Alterthums, nicht im Wissen,sondern in der Lebcnsweisbeit strebten, indem sie ihrDai'eyn als einen Marmor ansahcn, dem sie zuallen Verhältnissen eine schöne Gestalt geben solltenund ihr Leben als ein Sairenspiel betrachteten, dasmannigfaltig, aber immer harmonisch klingen müßte.
Das Maas der Nemesis war zu dieser Stim-mung nothwendig: denn der Uebcrmuth oder dieSchlaftrunkenheit ist eben das, was einen Menschenverderbt und ihn zu seinem moralischen oder Glü-ckes-Tode entweder fortreißt oder cinschläfert. Eineneidische Gottheit darf es also nicht seyn, die alseine nachschlcichcnde Feindin jedes menschlichen Glü-ckes und Wohlscyns uns auflauret; daß aber einewachsame, strengaufmerkende Gottheit die Menschen