II. Antiquarische Aufsätze. 403
„heiß des Schicksals nicht entziehen könne; daß hie-„niedcn alles dem Eigensinn einer neidischen Gottheit„unterworfen sei, die ein Vergnügen daran finde,„den Stolz und die Eitelkeit der Menschen zu bin-„tergchcn und ihre Glückseligkeit zu trüben; daß„man folglich nicht eher sagen könne, ein -Meirich„sey wahrhaftig glücklich gewesen, als bis er sein„Leben glücklich beschlossen habe."
Ich überlasse dem Abt die Anwendung, die erdavon auf den Plan seines Geschichtschreibers macht-die Bemerkung selbst aber ist richtig; und Grund-sätze der Art waren nicht nur dem Herodot, sondernauch allen griechischen Dichtern und Moralisten dieLieblingsgcdanken, zu welchen sie das Gewebe ihrerErfahrungen oder Dichtungen zu leiten suchten. Dergrößcste Thcil der griechischen Tragiker und Gnomo-logcn, (den Homer selbst nicht ausgenommen,) gehetauf diese Satze hinaus, Ein weises Maas, Ord-nung und Umriß empfahlen sic in allen Begierdenund Anstrebungen, ja selbst in Urtheilcn und Wün-schen der Menschen. — Nichts Zügelloses war ihnenRecht, und wenn es auch Untersuchungen über Gottbeträfe: dies, meynten sie, sey der Natur des Men-schen, seinem Maas von Kräften und dem Umfangeseines Lebens völlig entgegen. Keinen, auch nichtden edelsten Wunsch müsse man übertreiben, seinemenschliche Bestimmung müsse man erkennen und sich,selbst bei dem wirksamsten Streben, der hohen Haus-haltung des Schicksals unterwerfen. —
Es scheint, daß wir diesen sanften Umriß einesmenschlichen Daseyns ziemlich aus den Augen vcr-iohren haben, indem wir statt dieser Schranken so
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