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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
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375
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II. Antiquarische Aufsätze. 875

Vielleicht wundern wir uns über eine Verwand-lung, die eine nach unfern Begriffen leichtsinnigeGöttin zur ernstesten von allen umschuf; allein dieDenkart der Griechen fand hierin keinen Skrupel.Nicht jede Venus war eine Buhlerin und da dieseStatue gewiß bekleidet war, so fanden sich sowohlin der alten Mythologie als in den Zeitumständen,jn welchen der Künstler lebte, Ideen, die nicht nurseine Verwandlung rechtfertigen, sondern die neueNemesis auch berühmter machen konnten, alsseine Venus gewesen wäre.

Denn zuerst gab cs wirklich schon eine irdi-sche Venus, die unter den Himmlischen »Nemesisworden war, die Mutter der Helena und der Dios-kuren, Leda. So verschieden von ihr die Sagen

der in ihrem Namen hoch anhebt und niedrigendet;

Ich, die Stolze voreinst, als goldne Herrenmich liebrcn,

Ich, die der Nemesis nie Einen der Küssegeschenkt;

Lohnes wegen, web' ich anjetzt mühselige Ar-beit :

Pallas, so hast du doch endlich die E y p r i Sbesiegt.

Das Epigramm ist eines ehedem verschmähtenLiebhabers würdig. Uebrigens ist die IVeins-sis korinosa Dilirrlli so lieblich bekannt, daßman wohl sicher, wie auch bei den Römern derName Nemesis nichts minder als einen widri-den Begriff erweckt habe.