370 II. Antiquarische Aufsätze.
so hat der Begriff offenbar die ernste Bedeutungeiner zu scheuenden Göttin. Wenn im Euripidesdagegen der Choc singt: *)
Adrastea, du Tochter Dotters,
Bewahre vor Neide meinen Mund,
Da ich jetzt singe» will, was meinem Herzengefalle:
so ist, wenn Nemesis und Adrastea Eins sind,der Ausdruck von milderer Art, indem er die Göt-tin, die allen Stolz und Uebermuth Hassel, mit die-sem Anruf zu versöhnen trachtet. Sie muß selbstnicht mißgünstig und neidisch seyn, da sie angerufenwird, die Bittenden vor der Scheelsucht über ihrGlück und dessen laute Freude zu bewahren.
Ehe wir mehrere Stellen Haufen, wollen wireine Bestimmung dieses Begriffs vom strengsten dergriechischen Philosophen, dem Aristoteles, hören. **)An mehr als einem Ort erklärt er die Nemesis fürden Unwillen, den Menschen am Glückder Unwürdigen oder an dessen unwür-digem Gebrauch haben und da er nach sei-nem System die Tugend immer als ein Mittlereszwischen zwei entgegenstchendcn Lastern betrachtet:so stehet auch seine Nemesis zwischen dem Neide undder Schadenfreude als eine Mitte der Tugend. Mit
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