Wogen schien, dem tiefen Athmen eines Seenngeheners ähnlich,den Bnsen des Oceans zn heben. Die Dunkelheit nahm zu mitdem Herannahen des Morgens; doch die Oberfläche des Golfesmar spiegelglatt nnd ruhig, und schien keine unmittelbare Veran-lassung zur Wachsamkeit oder Besorgniß darzubieten.
Dies; sind die Augenblicke der Abspannung in dem Leben einesSeemanns. Arbeitsvolle Tage bringen schlaftrunkene Nächte, unddie Ruhe der Natur ladet fortwährend zn der Versnchnng ein,ihr Beispiel nachznahme». Die Neactivn, welche der Aufregungfolgt, vertreibt die Lust znm Gesang, zu Scherzen und munterenErzählungen; Geist nnd Körper sehnen sich, von ihrer Arbeitausznruhen. Selbst das murmelnde Klatschen des Wassers, dassich an den Seiten des Schiffes hebt und senkt, klingt wie einWiegenlied, nnd der Schlummer erscheint in solchen Momentenals das einzige Gluck unseres Daseins.
Unter solchen Umständen war es also kein Wunder, wenn sichdie Wache ans dem Deck des Luggers diesem dringende» Bedürf-nisse unserer Natur hiugab. Man erlaubt gewöhnlich der Mehr-zahl, in solchen Augenblicken eines kurzen Schlafs zn genießen,während einige Wenige munter bleiben müssen; aber in solchenZeiten der Abspannung findet selbst der Diensteifer seine Aufgabemühsam und schwer zu vollziehen. Ein Ansguckcr nach dem andernließ das Haupt sinken; der junge Mann auf dem Quarterdeckbegann in seinem Armstnhle das Bewußtsein der Gegenwart zuverlieren, während träumerische Erinnerungen an seine Hcimath— die Provence und an den Gegenstand seiner jugendlichen Be-wunderung vor seiner Seele schwebten.
Nur der Matrose am Steuerruder wußte sich munter undseine Augen offen zn erhalten. Es ist dieß ein Posten, der steteWachsamkeit erfordert, und ans Schiffen, wo die Disciplin einesgeregelten Dienstes nicht in ihrer ganzen Strenge gehandhabtwird, geschieht es nicht selten, daß die Andern ans diesen UmstandDer Irrwisch. 34