527
3» neuerer Zeit hatte sich seiner Liebe ein Gefühl beigesellt,das der Verzweiflung nahe kam. So sanft und zärtlich er auchGhita ihm gegenüber gefunden hatte, so war sie in ihren Grund-sätzen doch immer ausnehmend fest und standhaft gewesen. Zn ihrenncnlichen Gesprächen — von denen wir einige ihrer besonderenFärbung wegen übergingen — hatte Ghita ihr Widerstreben, dasGlück ihres Lebens ans einen Mann zu gründen, dessen Gott nichtder ihrige war — so fest und entschieden ansgesprochen, daß er andem Ernste ihrer Gesinnung, so wie an ihrer Fähigkeit, dieselbe durchdie That zu bewähren, nicht länger zweifeln durfte. Was den Ein-druck dieses Entschlusses noch mehr verstärken mußte, war geradedie Freimüthigkeit, mit welcher das Mädchen niemals gezögert hatte,die Macht, welche Raoul über ihr Herz besaß, zuzugestehen, denndadurch war jeder Vorwand zu der Vermuthung abgeschnitten, alsob sie bei ihrer jetzigen Weigerung Verstellung übe. Die Unter-redung von heute Nacht lastete schwer anf Raonls Herzen, und erkonnte sich unmöglich entschließen, nach einem solchen Schiffbrnche sei-ner Hoffnungen vielleicht ans Monate von der Geliebten zu scheiden.
Sobald man also den Lugger so weit in der See wußte, daßer von Clinchs Boote ans nicht mehr gesehen werden konnte, stellteman ihn abermals mit der Backbordseite in den Wind, und er steuertegegen die gepriesenen Ruinen von Pästum, welche an der Ostküstedes Golfes von Salerno liegen. Der Wind war so schwach, daßer selbst einem mit der See Vertrauten nicht hinreichend scheinenmochte, um sogar dieses leichte Fahrzeug mit solcher Geschwindig-keit durch das Wasser zu führen: aber die Landbrisc war mitNachtdünsten erfüllt — diese hatten die Segel schroffer gespannt,und so war die Triebkraft des Nachthauches gerade doppelt sostark, als sie zu sein schien. Eine Stunde, nachdem man aufge-holt hatte, stand der Irrwisch bereits acht Meilen von dem Punkteentfernt, wo er seine Richtung geändert hatte, und gerade so weitwindwärts, daß er vieren und seinen Kurs geraden Wegs nach