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wählen! Wäre es etwas Anderes, du würdest gewiß den Stegdavontragen."
„Warum willst du dich überhaupt nur wegen meiner Religionbeunruhigen? Gibt es nicht tausend Frauen, welche ihren Rosen-kranz beten und ihre Ave's hersagen, während ihre Männer an allesAndere, nur nicht an den Himmel, denken? Du und ich können rechtgut über diesen Unterschied wegsehen: Andere übersehen ihn auchund sind gleichwohl ein Herz und eine Seele. Ich wollte dichja gewiß nie in deiner frommen Andacht stören, Ghita."
„Nicht du bist's, den ich fürchte, Raoul — ich selbst bin es,"antwortete das Mädchen mit überströmenden Augen, obwohl es ihrnoch gelang, die Seufzer zu unterdrücken, die sich Luft zu machendrohten. ,„Ei» Haus, das iu sich selbst getheilt ist, kann nichtbestehen', sagt man; wie könnte ein Herz, das von dir erfüllt ist,Raum finden für die Liebe, welche ich dem Schöpfer seines Daseinsschulde. Wenn der Gemahl nur für die Welt lebt, dann ist esschwer für die Gattin, so, wie sie sollte, an den Befehl zu denken."
Raoul fühlte sich durch das warme Gefühl, welches Ghita ver-rieth, tief ergriffen; der junge Mann hätte sie anbeten mögen fürdie vertrauensvolle Offenheit, mit der sie ihm die Gewalt, welcheer über ihr Herz besaß, eingestand. Seine Antwort athmete da-für auch eine verführerische Zärtlichkeit und Hingebung, welchebewies, daß er des schweren Kampfes, den er in so reiner Brustangefacht hatte, nicht ganz nnwerth war.
„Dein Gott wird dich niemals verlassen, Ghita; du hast alsmein Weib, so wie als das jedes andern Mannes, nie Etwas znfürchten. Nur ein unvernünftiges Thier könnte daran denken, dichin deiner Andacht oder was sonst nach deiner Ansicht nothwcndigoder paffend sein mag — hindern zu wollen. Lieber wollt' ich mirdie Zunge aus dem Munde reißen, ehe Vorwurf, Spott oder Ueber-redung von meiner Seite dich betrüben sollte, sobald ich einmalwüßte, daß du dick vertrauensvoll auf mich stütztest. Alles, was