ü; r r
289 .
„Ich habe keine Güter zu vererben — keine Ehren zn verlei-hen — keinen rnhmwürdigen Namen zu vermachen. Das Kindeines Lazzaroni ist im jetzigen Augenblick besser daran als dieTochter Francesco Caraccioli's."
„Großvater, wir denken nicht daran — und kümmern uns nichtdarum. Ich bin blos gekommen, um mir Euren Segen zu erbitten,den Ihr mir nun gewährt habt, und Euch das Gebet gläubiger Chri-sten, so niedrig wir auch sein mögen — anzubieten. Mehr als das ver-langen wir nicht — wünschen wir nicht —suchen wir nicht. An unsereArmnth sind wir gewöhnt und beachten sie niemals. Reichthümer wür-den uns nur in Verlegenheit bringen, und wir bedürfen ihrer nicht."
„Ich erinnere mich, heiliger Vater, daß ein Hauptgrund mei-nes Unwillens über meines Sohnes Hcirath darin bestand, daß ichden Beweggründen der Familie, die ihn ausgenommen, mißtraute,und doch haben diese ehrlichen Leute mich »»belästigt in meinemGlücke fortleben lassen, und machen ihre Verwandtschaft erst jetztgeltend, da ich mit Schimpf und Schande bedeckt bin! Ich warnicht gewöhnt, Wünschen und Herzen, wie diesen, zn begegnen!"
„Ihr kanntet uns nicht, Großvater," sprach Ghita bescheiden,und begrub ihr Antlitz fast ganz an der Brust des alten Mannes.„Wir haben lange für Euch gebetet, Euch verehrt und an Euch ge-dacht als einen Verwandten, dessen Angesicht im Zorn von uns abge-wendet war: Euer Gold und Eure Ehren haben wir niemals gesucht."
„Gold und Ehren?" wiederholte der Admiral, indem er seineEnkelin sanft auf einen Stuhl niederlicß. „Das sind für michDinge der Vergangenheit. Meine Güter sind eingezogen — meinName entehrt; in einer Stunde werde ich eines schimpflichen Todessterben. Nein, nein, mein Vater, keine selbstsüchtigen Absichtenkönnen diese Leute bewogen haben, in einem Augenblicke wie die-ser, Verwandtschastsrechte bei mir geltend zu machen."
„Erkenne darin die Güte Gottes, mein Sohn. Er läßt dichdie Tröstungen kindlicher Liebe empfinden, und erweckt in deiner
Der Irrwisch. 19