Stern und eine Stunde ansgewählt zu haben - wenn wir näm-lich überhaupt noch von einander scheiden müssen. Ich habe bis-her vergessen, dir davon zu sagen, Ghita — doch geschah dießblos, weil du meinen Gedanken niemals ferne bist, und weil esfür mich keines Sternes bedarf, um mir den Monte Argentaround deine Thürme in's Gedächtniß zurückzurufen."
Wenn wir behaupten wollten, Ghita habe keine Wonne überRaouls Worte empfunden, so müßten wir sie nur über die Grän-zen erheben wollen, welche eine liebenswürdige, natürliche Schwächefür sie gezogen hatte. Ihr Herz war niemals taub für RaoulsLiebesbetheurnngen, und nichts klang ihrem Ohre süßer, als seineWorte, wenn er ihr seine Treue und Ergebenheit bekannte. DieOffenheit, mit der er seine Fehler und besonders den Mangel jeneswahrhaft religiösen Gefühles eingestand, das in den Augen seinerGeliebten von so hohem Werthe war — mußte seiner Sprache in denAugenblicken, da er sic seiner Liebe versicherte, nur noch größeresGewicht verleihen. Ghita erröthete, während sie auf seine Redelauschte; doch zeigte sich kein Lächeln i» ihren Zügen, welche eherTrauer ansznsprechen schienen. Fast eine Minute lang gab siekeineAntwort, und als sie endlich sprach, geschah es mit leiser Stimme,wie wenn das Herz tief in seine Gedanken und Gefühle versenkt ist.
„Diese Sterne mögen wohl noch eine höhere Bestimmung haben,"begann das Mädchen endlich. „Schau hin, Raonl — zählen könnenwir sie nicht, denn einer nach dem andern scheint aus des HimmelsTiefen emporzutauchcn, je länger unser Auge in diesem Raumeverweilt, bis wir erkennen, daß wir uns vergeblich mit Zählenbemühen. Wir sehen, sie sind zu Tausenden vorhanden, und wohldürfen wir glauben, daß ganze Myriaden davon über uns kreisen.Nun wurdest du belehrt, — denn sonst hättest du niemals See-fahrer werden können — daß diese Sterne, gleich unserer Erde,besondere Welten oder gar Sonnen bilden, welche wieder mit ihreneigenen Welten umgeben sind: — wie ist es nun möglich, dieß