Druckschrift 
14 (1853) Der Irrwisch oder der Kaper : ein See-Roman
Entstehung
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

gegen die Insel gekehrt waren, so drehte Jthnel von Zeit zu Zeitden Kopf, »in ihre Fortschritte zu beobachten; doch waren die-selben so gering, daß keine wesentliche Veränderung dadurch her-vorgebracht wurde-

Raoul hatte einige Minuten lang schweigend um sich geschaut,richtete nun aber die Blicke nach oben und betrachtete die Sterne.

Dn weißt wahrscheinlich nicht, Ghita," begann er dann,welchen Ruhen uns Seeleuten diese Sterne gewähren können undwirklich gewähren. Mit ihrer Hilfe sind wir im Stande, selbst aufdem weitesten Oeeane zn sagen, wo wir sind die Punkte desKompasses genau anzngeben, und die Stelle unserer Heimath herans-zufinden, selbst, wenn wir »och so weit davon entfernt sind. DerSeemann muß wenigstens sehr weit südlich vom Aequator steuern,ehe er den Punkt erreicht, wo er nicht mehr dieselben Sterne sieht,die er vor der Thüre des väterlichen Hauses erblickte."

Das ist für mich ein ganz neuer Gedanke," gab Ghita raschzur Antwort, denn ihr zartes Wesen war sogleich von dem Scho-nen und Poetischen einer solchen Idee betroffendas ist fürmich ein ganz neuer Gedanke, Raoul, und ich wundere mich, daßdn dessen nicht früher erwähntest. Es ist viel werth, wennman selbst dann, wenn man von dem, was man liebt, weitentfernt ist, noch so heimische, vertrante Gegenstände mit sichnehmen kann."

Hast du noch nie davon gehört, daß Liebende sich zn einergewissen Stunde einen bestimmten Stern erwählten, nach welchemsie emporschauten, wenn sie, trotzdem, daß sie durch Meere undLänder getrennt waren, mit einander verkehren wollten?"

Das ist eine Frage, die dn dir selbst vorlegen kannst, Raoul;Alles was ich jemals von Liebe und Liebende» gehört, habe ichja aus deinem eigenen Munde vernommen."

Gut denn, so will ich dir's sagen, und will dabei hoffen, daßwir nicht abermals von einander scheiden, ohne auch uns einen