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Eilftes Kapitel.
Des Menschen Geist — das stolze Wesen!
Wo die Vernunft auf ihrem Throne
Als hoher König im Palaste sitzet
Und Urtheilssprüche fällt im Hecrfchertone!
Wer mag mit leisem Schritte prüfenDie Gränzen dieser Zaubertiefen.
Und nicht gesteh'n. daß Näthfel sich und Wunder
Der höchsten Art zum Sitz erlesen
Des Menschen Geist — das stolze Wesen!
Anonymus.
Wir brauchen uns wohl kaum damit aufzuhalten, die Wun-der eines Abends auf dem mittelländischen Meere zu schildern.Jeder Reisende ist damit vertraut, und Schriften aller Art habensich bemüht, dieselben der Phantasie ihrer Leser, welcher Nationund welchem Alter sie auch angehören mögen, anschaulich zumachen. Doch hat jedes Gemälde seine eigenen Lichter undSchatten, und auch das unsrige entwickelt deren in einer Weise,welche wohl eine flüchtige Beachtung verdienen möchte.
Ein Sonnenuntergang im hohen Sommer wird wohl jede Land-schaft mit erhöhtem Reize übergießen. Um diese Stunde war es,als Ravul seinen Anker answarf, und Ghita, welche sich jetzt, dadie Jagd beendigt und die Gefahr, wie man glaubte, vorüberwar, auf das Verdeck verfügt hatte, glaubte, ihr Vaterland Ita-lien und das mittelländische Meer noch nie so reizend gesehen zuhaben.
Schon lange vor Untergang der Sonne warf das Gebirge seineSchatten weit in die See hinaus, so daß sich der östlichen Küsteder geheimnißvolle Zauber der Abendzeit eine Weile früher als derwestlichen mittheilte. Die Inseln Corsika und Sardinien gleichenzwei Ungeheuern Alpenblöcken, die, in Folge einer zufälligen Natur-veränderung in die See gestürzt, im Angesichte ihrer Stammregiongleichsam als die Außenposten jener mächtigen Wälle Europa's