war die Art, wie die Gebräuche der römischen Kirche von der Massedes protestantischen Pöbels angesehen wurden, noch immer ein tiefesGcheimniß. Der Gedanke, daß sie Bilder anbete, hatte »och nieihren unschuldigen Sinn bennruhigt, denn so oft sie auch schon vorihrem kleinen elfenbeinernen Kruzifixe niedergekniet war, so hattesie doch noch nie daran gedacht, daß ein Mensch so unwissend seinund das bloße körperliche Bild des Opfers, das hierdurch vorge-stellt werden sollte, mit der göttlichen Sühne selbst verwechseln könnte.
„Es ist doch gewiß schicklich, sich am Altäre in paffende Ge-wänder zu kleiden," verfehle Ghita, „und die Diener Gottes sollennicht angethan sein wie andere Menschenkinder. Wir wissen freilich,daß das Herz, die Seele ergriffen sein muß, um vor Gott Gnadezu finden: dies; macht aber die äußerlichen Zeichen der Verehrung,die wir sogar uns selbst unter einander erweisen, durchaus nichtentbehrlich. Was die Bilderverehrung betrifft, so wäre dieß ja reineGötzendienern, und eben so schlimm als das Heidenthum selber.
Jthnel schien verwirrt: er hatte noch nie im Geringsten be-zweifelt, daß die Bilderverehrnng einen wesentlichen Theil des ka-tholischen Gottesdienstes ausmache, und den Papst vollends mit seinenKardinälen hielt er eben so unauflöslich mit dem Glauben dieserKirche verbunden, als er es bei seiner eigenen für wesentlich hielt,daß die Priester keine Chvrröcke trügen und die Kirchen viereckigeFenster hätten. Sv abgeschmackt dieß heutzutage und so gottloses vielleicht in einem späteren Jahrhundert erscheinen mag — esbildete und bildet noch jetzt keinen kleinen Theil des Sektenglau-bens, und schlich sich nicht selten in die heftigen Zänkereien Dererein, welche für nöthig hielten, ihrem Gott zu Liebe Streit zu führen.Könnten wir nur auf unsere eigenen Meinnngsändernngen znrück-blicken — wir würden das Vertrauen in die Wahrheit unserer Gefühlewohl manchmal tief erschüttert finden, und vor Allen, sollte manmeinen, müßte ein Amerikaner, der lange genug gelebt hat, um dieSchwindeleien und Lächerlichkeiten mit anzusehen, welche seit einem