Vierteljahrhundert unter de» Glaubeusansichten der neueren Sek-ten seines eigenen Vaterlandes anfgetancht sind — wenigstensetwas mehr Achtung vor den consegnentercn und ehrwürdigerenCvnfessionen der übrigen christlichen Welt gewonnen haben.
„Paffende Gewänder!" wiederholte Jthnel mit verächtlichemTone; „wozu sollte es in den Angen des Höchsten besonderer Ge-wänder bedürfen? Nein; wenn ich einmal eine Religion habenmuß — und ich weiß, daß sie uns nvthig und heilsam ist — sosoll es wenigstens eine reine, nackte Religion sein, die sich auchvor der Vernunft verantworten kann. — Ist das nicht richtiggedacht, Monsieur Rnle?"
„äla l'oi, oni. Vernunft vor allen Dingen, Ghita, und beson-ders Vernunft in der Religion."
„Ach, Ravnl, das ist's gerade, was euch irreführt und zum Un-rechten verleitet," erwiederte das Mädchen ernsthaft. „Nnr Glaubeund demuthsvolle Ergebung ist nöthig, um uns das richtige Gefühlfür den Höchste» einzupflanzen, und dennoch verlangt ihr von Ihm,der das Weltall geschaffen und den Odem des Lebens in eure Brustgehaucht hat — Vernnnftgründe für diese seine Werke?"
„Sind wir nicht vernünftige und denkende Geschöpfe, Ghita,"versetzte Raoul sanft und mit einer Aufrichtigkeit und Wahrheit,welche unter solchen Umständen sogar seinen Skepticismus anziehendnnd achtungswerth machten; „und ist es also wohl unvernünftig,wenn wir unserer Natur gemäß zu handeln verlangen? Kann icheinen Gott verehren, den ich nicht verstehe?"
„Könntest du ihn denn verehren, wenn du ihn wirklich ver-stündest? Er würde ja aufhörcn, Gott zu fein, und müßte unseresGleichen werden, wenn sich sein Wesen und seine Eigenschaften zuunserem Fassungsvermögen herabziehen ließen. Wenn jetzt einer dei-ner Untergebenen hier auf das Quarterdeck heraufkäme und daraufbestehen wollte, alle deine Beweggründe von dir zu vernehmen,warum du auf dieser kleinen Felucke diese und jene Befehle