am besten zusagte; dann lehnte er sich in dem Stuhle zurück, bissich die beiden Enden seiner Ellbogen in das Polster hinter ihmeingrnben, während die Füße, auf denen das Gestell ruhte, unterseinem Gewichte zu krachen anfingen — „die Heiligen zu ehren!wir wären weit mehr aufgelegt, die Bursche zu entehren! Wasbraucht Einer auch einen Heiligen zu ehren? Ein Heiliger ist janur ein Mensch — ein Mann wie Ihr und ich — und Ihr machtein solches Aufheben von der Sache. Heilige gibt's genug inmeinem Lande, wenn man nämlich den Erzählungen der Leuteüber sicl, selbst Glauben schenken wollte."
„Nicht ganz so, Signor Bolto, Ihr und ich keine große» Hei-ligen! Italiener die Heiligen ehren, weil sie heilig und gut."
Mittlerweile hatte Jthuel seine Füße auf das untere Gestelldes Stuhles placirt, und seine Kniee dabei so weit ansgespreizt,als ihm die ungewöhnliche Länge seiner Beine nur immer erlaubte;die Arme ruhte» ansgestreckt auf den Lehnen zweier Stühle, dieer neben sich herangezvgen hatte, so daß er vollkommen die Stel-lung eines sogenannten ansgespannten Adlers einnahm.
Andrea Barrofaldi betrachtete dieß Alles mit steigender Ver-wunderung. Er hatte zwar in einem Weinhause, wie das von Be-nedetta war, nicht sonderlich viel feine Lebensart erwartet: eine sovollkommene Nonchalance des Betragens aber hatte er noch beikeinem Mensche» von der Klaffe des Fremden, oder eigentlich nochbei gar keiner Klasse getroffen. Die italienischen Matrosen vor ihmbeobachteten auf ihren Stühlen eine einfache, ehrerbietige Haltung,als ob Jeder von ihnen so wenig wie möglich aufdringlich zu er-scheinen wünschte. Doch begnügte er sich, Alles mit ernstem, auf-merksamem Schweigen zu betrachten, ohne sich einen Laut derVerwunderung entschlüpfen zu lassen. Vielleicht, daß er in all'diesen Umstände» Spuren von Nationaleigenthümlichkeitcn, wennnicht gar völkergeschichtliche Ueberbleibsel entdecken mochte.
„Ehren die Heiligen, weil sie heilig und gut!" wiederholte