60
„Arme Benedetta!" gab'Maso zur Antwort. — „Glaubt dochja nicht, daß der Podesta aus einem solchen Grunde hierher kommt:er will blos mich sprechen, denn er schlurft seinen Wein zu oftoben in der Stadt, als daß er wegen eines einzigen Glases sotief herabsteigen möchte. Ja, meine Freunde, in seinem Hausegibt's einen Wein, der, wenn erst einmal das Oel ans dem Halseder Flasche *) entfernt ist, gerade so glatt wie dieses selbst dieKehle hinabrinnt. Ich konnte eine ganze Flasche davon ans einenZug anstrinken! Das ist eben der Wein, der die Vornehmen somunter und gut gelaunt macht."
„Der wässerige Mischmasch ist mir wohl bekannt," fiel Bene-detta weit hitziger ein, als sie sich sonst ihren Gästen zu zeigenpstcgte; „Ihr habt recht, wenn Jhr's glatt nennt, denn nickt um-sonst läuft ein Heller Brunnen neben jeder von den Weinpressen,die dieses Getränke erzeugen. Ich habe sogar,schon manche Fla-schen davon gesehen, auf denen das Oel nicht einmal stehen blei-ben wurde."
Diese Versicherung war ein hübsches Gegenstück zu 'Maso'sBehauptung in Betreff des Segels, und ungefähr ebenso richtigwie jene. Benedetta hatte nämlich, was die Unbeständigkeit derMänner betraf, zu viel Erfahrung, um nicht einznsehen, daß, wenndie drei oder vier anwesenden Gäste erführen, die Insel besitzenoch irgend ein besseres Getränk, als sie es ihnen vorzusetzenpflegte — ihr Ansehen in aller Angen bedeutend Noth leiden müßte.Als eine Frau, welche allein mit der Welt zu kämpfen hatte, fühltesie in ihrer angeborenen Schlauheit recht wohl, daß sie eine Ver-leumdung am besten dadurch zurnckweisen könne, wenn sie derenQuelle gleich im Anfänge verstopfte, und ihre Antwort war deßhalbebenso kräftig im Vortrag als bestimmt in ihrem Ansdrucke.
Sie hätte aber eine treffliche Einleitung zn ihrem hitzigen Streite
*) Bei feineren Weinen hat man in Toskana die Gewohnheit, den Hals jeder Flaschemit einigen Tropsen Oel zu verschließen, um den Zukitt der Lust abzuhalten.