266 HI. Pcrsepolitanische Briefe.
Die alte Perser - Religion lehrte Rechtschaffenheit,Reinheit, Fleiß, Wahrheit; die Pflichten hierüberkleidete sie in Bilder des Lichts als einer Tagesord-nung ein. Die Metaphysik hierüber ist spateren un-gewissen Ursprungs; dem Geiste alter roher Berg-völker gan; fremde.
„Die Natur des Ahriman war auch eineLichtnatur, und er war gut. Aber er beneidetedas Licht des Ormuzd, und verfinsterte darüber seinLicht." Wie kann eine Lichtnatur das Licht benei-den ? beneiden und dennoch gut seyu? gut seyn undAhriman, d. i. Bestecher des Lichts, heißen? wiekann eine Lichtnatur sich selbst verfinstern? Der allePerser-Kultus weiß von dem allen nichts. Er ken-net Ahriman blos als die Nacht, die den Tagverfolget.
„Ahriman wurde böse; ein Feind des Ormuzd,der Schöpfer alles Nebels und aller bösen Wesen,die er hervorbrachte, um mit ihnen den Ormuzd zubestreiten. Dualismus." Kein anderer Dualis-mus , als den uns die Natur mit Nacht und Taggibt. Die Nacht verfolgt den Tag, wie der Tag
die Nacht verfolget. Die Geschöpfe des Tags, dieGeschöpfe der Nacht sind Ausbildungen einer täg-lichen Erfahrung nach ökonomisch-physischer oder mo-ralischer, nicht metaphysischer Ansicht.
„Die Schöpfung wurde also durch Ormuzd undAhriman bewirkt, aber in verschiedenen Epochen,in welchen verschiedene Gattungen der Wesen insDaseyn gerufen wurden." (Auch nach der später»Dichtung ward die Schöpfung durch Ahriman nicht