III. Pcrsepolitanischc Briefe. i65
sche Baukunst bekannt sey. Wahrscheinlich auchIhnen nicht, da Sie ihr kein Eapitel in Ihrer Ge-schichte der Baukunst der Alten vergönnt haben.Indische, Aegyptische, Babylonische, Griechische Bau-kunst kennen wir aus Zeiten, die dem Bau Per-sepolis vorher gingen und ihm nachfolgtcn; in ih-rer Mitte stehet Persepolis vielleicht mit Theilneh-mung an ihnen allen in eigenem Geschmack da;keine eigene Baktrische Baukunst.
Und weswegen müßte sic hier obwalten? Weilhier in der Mauer oder auf den Säulen fabelhafteThiere erscheinen? Sind diese in Balkh (Baktra)erfunden? hatten sie daselbst ausschließend das Bür-gerrecht? Oder falls sic es gebabt hatten, war an-dern Bauleuten untersagt, diese Baktrischcn Bürgerzu bilden ? Ktesias Indische Fabelthiere, lebten siein Baktra?
Wie in der Rechenkunst das Einmaleins, soist in der Baukunst die Säule nicht bloß als Maas-stab der Verhältnisse, sondern auch als Weiser desGeschmacks angenommen; und wohin weisen unsPersepolis Säulen? Nicht nach Indien, sondernnach Aegypten und dem Asiatischen Griechenlande;vorzüglich nach diesem. Jenes hatte die Säuleund ihre Verzierung nach Art des Palmbaums undmit hieroglyphischen Capitälen längst und vielfachgeübt; die Asiatischen Griechen hatten die ältereDorische Säule längst gestreift und gehöhlet, da er-hob sich diese Persische Säule, dem Genius desLandes treu, wie ein schlanker Thurm, mit weni-ger oder keiner Verjüngung, auf mehrerlei) Weise