152 III. Persepolitanische Briefe.
2 . Ein großer Theil der Aegyptifchcn - öffent-lichen Baukunst war symbolisch. Aus -Mangelder Buchstabenschrift significirten sie durch Bauwerkeund auf Bauwerken, durch Charaktere, Handlungen,Festtage, Institute. Daber ihre Pyramiden, Obe-lisken, Tempel, das Gcabmahl Osymanduas, derLabyrinth u. f. Die Pyramide war nur eine schwe-re mathematische Figur über einem Grabmahl; dieObelisken Pfeiler der Sonne zu Aufbewahrung ih-rer Hieroglyphen; Osymanduas Grabmahl, die Tem-pel mit ihren Gebrauchen und Festtagen waren ih-rer Hauptbestimmung nach Laboratorien ihrer Zeit-rechnung, Darstellungen ihres Kalenders; die mei-sten dieser Gebäude waren halb über, halb unterder Erde. Lauter Erfordernisse einer frühen symbo-lischen Zeit.
Meder und Perser dagegen hatten Buchstaben-schrift; sie konnten diese auf Wände schreiben, undbedurften nicht durch schwere Bauwerke zu symboli-siren.
3. Endlich, da die Baukunst kein vorgezcichne-tcs Ideal hat, so kommt es bey ihr mehr als beyandern Künsten auf Vorbilder, die man stehet,auf die gewohnte Lebensart, auf Lust und Fan-tasie an, denen sie sodann rasch oder trage folget.Das Vorbild der Perser und Meder war Babylon;hcir stand Belus Thurm mit seinen acht Stückwer-ken , zu dessen Gipfel, dem Tempel, man vonaußen des Gebäudes in einem Schncckengange, dermit Ruheplätzen versehen war, angenehm, mit ei-ner weiten Aussicht über die große Stadt und dieunermeßliche Ebene, gelangte. Der Semiramis Han-