146 IH. Persepolitanische Briefe.
1. Blos dun Könige diente, und ihr der repu-blikanische Geist fremd war, der Griechenland be-seelte. Tempel hatte ihre Religion nicht; Statuen,scheint es, liebte sic nicht; und wem sollten dieseaufgerichtet werden, als dem Könige? Was einigespatere Perser-Monarchen hievon aus Babylon undKlein-Asien herüberholten, wollte auf Persischem Bo-den nicht gedeihen. Alle Kunst blieb also Zierrath,an Pattaste, Gräber, Wände, Thron, Hausrathverwendet; sie schus keine für sich bestehende freyeDenkmahle.
2. Die Perser sind ein wohlgebildekes Volk, undmehrere Lander, die die schönsten Menschen erzeugen,waren ihre Provinzen; da sie aber, wie alle Mor-genlander, das Nackte nicht liebten, vielmehr ihrenSitten und der Verfassung des Reichs nach auf An-stand, Schmuck, Unterschied der Kleidung, als aufStandes - und Ehrenzeichen, viel hielten: so ging inVorstellungen hierauf beynahe der Hauptzweck ihrerKunst. Von Kopf zu Füßen ist in ihnen die Per-son ganz Kleidung; auf sie ist, auch bey den schlech-testen Amuleken, Aufmerksamkeit gewandt, und aufden Münzen der Safsaniden ist der barbarische Kopf-,Hals- und Brustschmuck Alles. Wenn also einGrieche Werke dieser Art machte oder leitete: sosagte er zu sich seihst: ,,wcnn ihr nichts als Klei-dung wollt, so will ich euch diese bis auf Faltenund Stellung der Mütze, bis auf Ringe und Edel-steine liefern. Da habt ihr einige tausend Figuren;betrachtet euch in ihnen." An den Wanden in Pcr-sepolis sogar, wie an den Gräbern, war die Tiaredes Königs mit Goldblech überzogen; wahrscheinlichfehlte es ihm und seinem Stuhl auch nicht an glän-