116 W. Perfepolitanifche Briefe.
gegraben werden sollte, so konnten es jene verschlun-genen Züge nicht feyn, die dem Bel - Sazcr einst imRausche erschienen. Die Buchstaben wurden aufgelö-set, ihre Krümmen in gerade oder schiefe, ganze oderhalbe Pfeilstriche verwandelt, und durch diese sowohlmit einander verbunden, als von einander geschieden.So entstand, der Natur der Sache nach, eine gleich-sam aufgelösete Un ci a l - S c h r i ft, die demArbeiter in den harten Fels zu hauen möglich ward,und sich dem Auge empfahl, wenn sie gleich in einerlangen Reihe nur wenige Worte sagte. Für den un-verständigen Vorüberläufer ward sie ohne das nichtin den Pallast gesetzt, noch weniger zum täglichenGebrauch des Lebens so aufgelöset und geordnet. Dertägliche Gebrauch des Lebens will an einanderHangende laufende Schriftzüge, an deren leich-tem und zierlichem Zusammenhänge daher die Mor-genländer so sehr gekünstelt haben; der harte Felsund die Ansicht einer glänzenden Wandfchrift im Pal-laste forderten gerade das Eegenthcil einer Current-Schrift, aufgelöseke, fest stehende Züge, d. i. nebenund über einander gesetzte Pfeile. In diesen Charak-teren konnten dann mehrere Sprachen geschrieben wer-den und sind geschrieben worden, da bereits Ihr auf-merkender Blick mehrere und verschiedene Alphabeteauf diesen Wänden bemerkte. Denn eine so zerlegteUncial- Schrift gehört nicht nothwendig einer Sprache.Auch Griechisch, Latein, Deutsch könnte mit diesenPfeilspitzen geschrieben werden, wenn es der Marmorgeböte; jajedes Alphabet läßt sich ohne Mühe insie auflösen. Die Perfepolitanifche Schrift wäre so-nach keine eigene, sondern eine zur Pracht der Mar-morwände aufgclöfete Schrift der damals geltenden