II. P e r s e p ö l i s. 53
diese Denkmahle zu sehr durch ein Aegyptisches Fern-glas sah, bemerkt in ihnen nur die Aehnlichkeit mitden Aegyptischen Sphynpcn, mit welchen sie doch ei-gentlich wenig gemein haben: denn die beyden Thiere,die auswärts sehen*), sind offenbar das erdichteteEinhorn, ein Fabelthier, das in ganz Orient be-kannt ist; die beyden, die auf zwei) andern Pilasternostwärts nach dem Berge hin sehen **), hätten zwarmehrere Aehnlichkeit mit dem Aegyptischen Sphynx;sie sind aber dennoch, wie wir gleich sehen werden,gleichfalls von eigenem Asiatischen Gepräge.
Jedermann ist nämlich bekannt, daß der Asia-tische Bergrücken oder das Gebirge Kaf der altenFabel-Tradition das große Dshinnistan, d. i. derSitz und das Vaterland tausend erdichteter Geschö-pfe, sey, die auf ibm wohnen. Hier ist das Reichder Peris und Divs; hier wohnt der Vogel Kaf,Simurgh oder Anka, der alle Sprachen spricht, undso lange gelebt hat, daß er die Erde siebenmalmit neuen Geschöpfen besetzt gesehen; hier sind jeneunzähligen Wundergeschichten des Tamuras, Feri-duns, Rüstern, Afrasiab u. a. vorgegangen, durchwelche Drachen und Ungeheuer, der Racksche, So-ham, Uranabat, Eschder u. f. bezähmt worden ***);
*) Niebu hr 1'ab. XX.
*') Niebuhr.Dal,. XX. K.
**') S. Ilerdelot art. Liinorganlrn, Lolim-rn, 1°«.Iiamuratll, Oiv» keri, etc. RichardsonsAbhandlung über die Sprachen der morgenlandi-schen Völker Cap. 3. Abschn. 3. S. 202 » Deutsch-