Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

Lilien und Rosen. Was sie hinein läßt, ist vonwahrer und e w i g a n g e n e h m e r Wirkung.Nun werdet ihr auch den andern blinden Wächtererreichen

Töchter. Es ist dock) nicht die Liebe?

Vater. Es ist so etwas. Wir wollens aber,des mißbrauchten Worts wegen, nicht Liebe, son-dern Trieb des Herzens neunen. Wen» erdie Wachterin von außen nicht stört und nur unterdem wählt, was der Verstand nicht für völlige Kon-trebande erklärt hat, so wählt er in Geschäften desHerzens viel richtiger, als der Verstand; er siehtauf eine uns unbegreifliche Art sehr tief, fühlt in-nig ; dazu umfaßt er warm und feurig, und wenner gut gewählt hat, verwahrt er auf ewig. Be-kränzt also euer Herz von allen Seiten, nur postirtsnicht vor den Verstand, sondern hinter ihn und aufeinen schönen frcyen Platz, aus dem Thorgedrängehinaus, in eine schöne Gartengegend. Macht ja,daß außer der Vcrstandspforte nichts zu ihm kommeund daß cs nicht zu vielen Uebcrlauf habe; das letz-te um seiner eignen Freyheit und Ruhe wegen, daßes seine Wahl frei) behalte und nicht bedrängt werde.

Töchter. Wir wollens also in eine holde,Wüste mahlen.

Vater. Auch das eben nicht: denn da kommtvielleicht Nichts gescheides zu ihm und so muß eSsich (leer wills einmal nicht bleiben) mit Ungeheuernbehelfen. Die rechte Distanz zu treffen, ist die größ-te Klugheit des Lebens.