23 o II. Dichtungen.
Schöpfung, die Kepler mir in Harmonienerklärte.
Wie von einem Hauch geweht, wie von einemsanften Strome getragen, war ich in dunkler heili-ger Nacht, — wo war ich? War's die Grotteder Natur? oder dieMitte d er Sc h ö p fu n g?Nichts konnte ich bey mir selbst sagen, als: „Hierist gut seyn !" Ich genoß und empfand hohe undhöchste Einheit, die U e b e r e i n st i m m u n gund rastlose Wirksamkeit der Natur,ewige Palingencsie, immer junges Le-ben. Ich sah, daß nichts sich übereilen könne,daß Alles sich folgen müsse und ewig folge. Maas,Zahl, Gewicht, Bewegung schwanden mir mit denSinnen dahin. Eines lösete sich in das andre auf.„Laß mich ein Symbol sehen dieses sanften S tre-ib ens, dieses unendlichen W erd en s, du unsicht-bare Kraft!" rief ich in innigster Bewegung. —
Und siehe da! Licht glanzte vor mir, einStrahl des rcinestes Lichts. Da er sich rheilte, war's,als sähe ich in ihm alle Gestalten der Dinge in derganzen Eintracht ihrer Verhaltniste und Formen,Punkt, Linie Kreis, Säule, Würfel, jede Schwe-bung und Schwingung der Natur, Blumenkettcn inallerlei) Farben, jede auf dem kürzesten Wege zu ih-rem Ziel eilend; dann sich hebend zur sanftestenFlamme, aufstrebend zu einem Punkt har-monischen Lebens. „Heil, heilig Licht! riefich, du warst es, von dem die Wesen im Schooßder kalten Mitternacht erwachten; sie regten sich undlebten.
Da hoben sich die Himmel droben
In blauer Pracht. Es hoben