i83 II. Dichtungen.
-tauschenden Verführung. Sie warf die Flöte weg,die ihr Merkur leihen wollte, und die doch immermehr auf die Ohren, als auf die Gemüthcr derMenschen, wirkte; dagegen theilte sie sich unmittel-bar lehcbegierigen Seelen mit, die ihren Werth er-kannten , und ihre schweigende Gestalt liebten. Sielehrte den Pythagoras schweigen und denken: ohne
wachende Traume enthüllte sic ihm die Gesetze desWeltalls, und öffnete sein Ohr der Harmonie derSphären. Den begeisterten Plato führte sie insReich der Seelen, sie zeigte ihm den Staat derGötter, und selbst die himmlische Liebe. Den Bru-tus und Scipio bewaffnete sie mit ihrem undurch-dringlichen Schilde, und flößte das Gefühl in sie,nicht nur das Vaterland, sondern auch die Tugendzu lieben, den Neid zu verachten, und sich durchsein Schlangcnhaar nur anreizen zu lassen zu größe-rer Tugend. Deßhalb setzte sie das Haupt Medu-scns auf ihre Brust, und gab der Furie daselbsteine himmlische Schönheit. Mit ihrer schlichten Lan-ze, die einst die Riesen niedergeworfen hatte, schlugsie den FelS, und cs ging aus ihm hervor der wvhl-thatige Oelbaum. Nicht Sieger der Feinde, sondernWohlthatcr der Menschen krönte sic mit seinem friedli-chen Laube; am liebsten aber den, der sich selbst über-wand, und mit sich in Friede lebet. Auch sah siebcy dieser Belohnung aus keinen Stand, auf keinGeschlecht, auf kein Alter. Sie brachte sie demEklavcn Epiktet sowohl, als dem geplagten Mark-Uurcl auf seinem bestürmten Throne; innwendiq in»hce Seele goß sie aus das Oel des himmlischenFriedens. Auch das weibliche Geschlecht entgingnicht ihrer schwesterlichen Aufsicht: sie erfand, nicht