dcrn dürft»: und, cbm dcr Anständigkeit wegen,darf da an cbm dcrftlbm Dame wohl nothwcndigAlles so keusch seyn, als das Ohr? — Nicht, alswenn es nicht sei)» könnte, sondern ftpn müßte: alswenn die bürgerliche, schon die moralische Schambaf-ligkeit wäre, und das ist sic nicht I Die moralischeSchamhaftigkeit vor einem Laster, als Laster, istganz etwas anders!
Oft scheinen sie sich nahe zu kommen; aber oftzu nahe, so, daß die eine die andere unnötbig zumachen glaubt. Da die politische Tugend oft alsder Schein der wabren Tugend gilt: so laßt man
sich oft mit dem Scheine begnügen, und natürlich,daß man alsdann um so mehr auf den Schein erpichtseyn wird, je weniger man das Wesen hat. Wermit gefärbtem Glase, wie mit Edelgcstcmcn, pran-gen darf, wird diese um so mcbr aukputzcn, sie umso mehr zur Schau stellen , und wehe dem! dcr als-dann nicht auch gefärbtes Glas hat. Je wenigerman vielleicht eine Tugend inne hat, desto mebrwird man siel; vielleicht im Kanzlcistyle dieser Tu-gend üben: je unzüchtiger man denkt, desto mebr
vielleicht die Keuschheit seines Ohrs schonen, destoecklcr, desto wahl-ger und üppiger in der Wcrlwür--de werden; desto eher nach Zweideutigkeiten Haschen.Wer diese am besten kennet, wer diese in einer Ge-sellschaft zuerst , und vielleicht einzig und allein, auf-merkt, und darüber anständig erreichet, und artigdarüber in Unwillen gerätst — artig, freilich artigund anständig ist dieser schamhafte Unwille, ob aberauch deswegen wirklich und nochwendrg, eine Scham-