Zweites Wäldchen.
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oder Lebensart, oder Stufe der Gultur oder Ge-schmack, sich zu betrage», oder Politesse, oder Ga-lanterie, oder, wie man wolle — Ich sage, da sievcn der Kunst einer Gesellschaft Gesetze empfangt,so hat sie sich auch immer nach der Beschaffenheit,nach dem Tone der Gesellschaft, nach Zeitalter, Na-tion , u. f w. gestimmet. Sie ist ein Kind derMode, und also veränderlich, wie der Geist ihrerMutter. Jetzt wird sie in dieser Kleidcrtracht, indiesem Ausdrucke, in dieser Stellung beschämt, inwelcher sie kmz voraus nickt beschämt ward, undbald hernach nicht Mehr beschämt seyn wird. Wersich in solchen Sachen mit Anständigkeiten brüstenkann, wird sich auch über solche Unanständigkeitenbeschämen lassen. Die Scham ist hier ein Geschöpfdes Wahns der Mensche», und Muß sich also durch-aus Nach ihrem Schöpfet richte».
Ich habe nur Noch eine Unterscheidung nöthig.Wie diese gesellschaftlich formirte Schäm nicht ei-gentlich ein Geschöpf der Natur ist; so ist sie auchnicht nothwendig mit Tugend einerlei: sie ist vonder moralische» Scham völlig verschieden. Als je-ner Spötter vom Parterre herauf rief: ,,An diesen„Damen ist nichts so keusch, als die Ohren!" soMag man ih» immer unverschämt, sündigend gegendie Gesetze des gesellschaftlichen Anstandes haben er-kenne» können: so unwahr, so gerade gegen Mora-lische Schamhaftigkeit redete et eben nicht. Wennman ih» gefragt hätte: wie? Unverschämter! mußdenn an einer Dame das Ohr nicht keusch seyn?und das der Anständigkeit wegen ! So hatte er erwie-
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