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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 5 (1821) Kritische Wälder ; 2/3
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Zweites Wäldchen. rer

Liebesgöttin so sehr, als die Farbe der Unschuld,sanfte Schamrötbe, die in sich geschmiegcte Mieneder bescheidenen Einfalt. Wenn also unter allenTugenden Eine das Anrecht hatte, in der Allegorieals ein Frauenzimmer vvrgcstellt zu werden: so istdie Schamhaftigkeit dazu die Erste. Sie ist derReiz der Liebe, Und die Tugend des Geschlechts,das die Natur zum liebenswürdigen Theile derMenschheit bestimmte: sie also eine weibliche Tugend.Ein Weib ohne Zucht, sagt das arabische Spruch-wort, ist eine Speise ohne Salz: und noch fügli-chcr könnte dies Sprüchwort von der Liebe selbst gel-ten. Eine Liebe ohne Schaam ist Nicht Liebe mehr!sic ist Eckel.

Wenn dies in der Natur, bei einer so noth-wenbigcn, und für das menschliche Geschlecht unent-behrlichen Neigung, statt findet : wie weit mehr inWorten! in Worten an die Welt und Nachwelt!in Worten, zum Vergnügen! Alle Empfindungendes Vergnügens zerfließen bei einem schamlosen Bil-de; sie verwandeln sich in Eckel! Homer, in seinerBeschreibung der zweiten Braucnacht*) zwischen Ju-piter und Juno, mag alle Annehmlichkeiten, die sichvor Augen legen lassen, zeigen: die hohe Gestalt,den Schmuck, die Pracht der Königin des HimMels:alle Grazien und Neize im Gürtel der Venus: alleEmpfindungen der Liebe und des Verlangens imHerzen Jupiters aber nun? decke sie die himmli-

*) Ili-. F. V. Zhö.