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Zweites Wäldchen.
weit schrieben, ehrwürdig war. Der moralischeGeist, mit welchem unser Jahrhundert durchdrun-gen seyn könNte, sollte uns einen moralischenVerderb, den unsre Schrift stiften könne, wichtigerund gewissenhafter machen, als zehn poetische Schön-heiten. Dies gilt auch, und noch mehr von Poe-ten; denn ihr Gift ist süßer, fließt leichter ein,wirkt langer und starker.
Auch will ich das nicht gesagt haben, daß manin Bildung der Jugend über die moralischen Be-schaffenheiten eines Dichters völlig hinweg, und nurdie poetischen Schönheiten ansehen solle: daß einVirgil und Eatull gleich gute Autoren der Jugendseyn, und die Priapea etwa die goldenen SprüchePythagoras abwechscln könnten. Vor wem soll manmehr Ehrfurcht haben, als vor einer unverdorbnenJugendsecle! Unter einer Menge beobachtenderJünglinge ist man vor den Schranken des schärfstenPublikums.
Dies alles an seinen Drt gestellt, ist hier dieFrage; ob man bei Dichtern, als Dichtern, vor-züglich auf Bemerkung ihrer Scham und Reinigkcitausgeben? ob der poetische Kunstrichter zuerst einZuchlrichtet seyn solle? Und das, glaube ich, sollet, vermöge poetischer Zwecke, und des poetischenGefühls halben, nicht.
Ich will nicht sagen, daß ich die Sorgfalt derDichter für Ehrbarkeit und Zucht etwa verspotten,oder geringschätzig machen wollte; sie bleibt schätz-bar und nachahmenswürdig. Aber auf sie, als auf
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