Z8 Kritische Wälder.
könne, als — als Klotz uns vcrmuthlich an Virgilzeigen will.
Dazu aber dünkt mich das Klotzische Thema wohlnicht das gewählteste. Noch so genau ausgeführt,kann es uns Vic.stl, als einen schamhaften, keuschen,züchtigen Dichter, vor stellen, es kann ihn uns, alseilten moralisch reinen Gesellschafter, empfehlen; obaber deswegen als einen unterhaltenden, liebens-würdigen Gesellschafter? ob, als einen vortrefflichenPoeten, dessen Genie begeistern, dessen poetischeKunst lehren könne? Das sehe ich , im Thema, nichtunmittelbar enthalten. Auch das selbst ist ein unpoe-tischer Gebrauch Virgils, wenn ich in ihm daraufausgebe, Zucht und Keuschheit aufzusuchen; nichtsein Genie, seine Kunst, seine poetische AdenStatt die Schönheiten, die entzückenden Schönheitenseiner Muse, zu betrachten, ists wohl eine würdi-gere Dcularinspection, ob Virgils Muse — auch einereine, keusche Jungfer scy?
Um aller keuschen Musen und Granen willen!will ich der Schamlosigkeit der Dichter nicht dasWort reden , und die Schamhaftigkeit der Schrift-steller überhaupt herunterseben. Ich wünsche, daßder Geist der feinern Lebensart, oder warum darfich nicht sagen ? des züchtigen Ehristenthums, sichauch in Schriften zeige, und daß man minder dieEhrfurcht vcrläugne, die man der Würde des Publi-kums schuldig ist — ein Name, der den Meß-Schriftstellern unsrer Zeit beinahe so fremde, uto-pisch und lächerlich geworden, als er den Griechen,insonderheit die für Athen, für die Welt und Nach-