Kritikus , wann dieser Zeitpunkt voll Licht, oder nurvoll Blcndeschein des Lichts ist? wo soll ccs, alsKritikus, wissen? Das mag der GotteSgelchrtc, derPolemikus entscheiden; nicht der poetische Kunstrich-tcr. Der Dichter nimmt den herrschcndcn'Neligions-geschmack, oder besser, sein eignes Religionsgefühl,wie er dazu gebildet worden, seinen eignen Horizontvon Religionsaussichten, und dichtet. Und so mußder Kritikus ihn richten. Nicht, daß er absoluteWahrheit suche, nicht daß er frage, ob diese undjene Religionsvorsiellung auch rechtgläubig genau,exegetisch richtig, philosophisch erwiesen; sondern obsie wahrscheinlich sev, ob sie könne poetisch geglaubt,gefühlt, beherzigt werden. Das ist bei einem jü-disch-christlichen Gedichte nicht schlechthin ;die Frage:ob historisch genau der Jude seine Affekten so ge-wählt oder nicht; auf den Fuß wäre vielleicht keinTod Adams, und kein Tod Abels möglich;sondern, ob sic, nach gewissen allgemeinangenommenen Voraussetzungen, so habensprechen können. — Ich folge also dem Religions-begriffs meiner Zeit, ohne weitere Umwege:wiefern vertragt er sich mit mythologi-schen Ideen?
r. In jedem Poem, wo Dichtung herrscht, woPersonen der Dichtung austretcn, können freilichnicht Wesen der heidnischen und christlichen Religionneben einander handelnd vorgestellct werden; nichtmit einander gleich wesentliche Substanzen zur Hand-lung des Gedichts sevn. Wenn die Muse und de-rheilige Geist, ein Gabriel und ein Apollo, eine Ma-ria aus den Gegenden des Himmel» und eine Diane