Zweites Wäldchen. i5
für eine Poffenrcißerei nehmen will, Werl etwa inder lateinischen Uebersetzung „ricliaulurrr" steht, unddarnach einen Menschencharakter in Homer bcurthei-len, und tadeln, und verdammen wollte, der könntefreilich sein Wörterbuch, und seine Uebersetzung, unddie Meynung einiger alten Grammatiker auf seinerSeite haben, nicht aber darum auch den ursprüngli-chen Homer. Uebcr den muß man nicht aus Ueber-sctzung und Wörterbuche, sondern aus dem lebendigenGebrauche seiner Zeit urthcilen, oder das sichersteWort Wahlen: «x o<^«!
Zweitens. Wenn die tobte, die körperliche Na-trcr, die Homer mahlet, sich seit ihm schon sehr ver-ändert hat, wie viel mehr die Natur der Menschen,die Manier der Charaktere, die Nuancen, in denensich Leidenschaften äußern! Eine griechische Seele wargewiß von andrer Gestalt und Art, als eine Seele,die unsre Zeit bildet. Wie verschieden die Eindrückeder Erziehung, die Triebfedern des Staats , die Be-griffe der Religion, die Einrichtung des Lebens, derAnstrich des Umganges! Wie verschieden also dasUrtheil über die Würde der Menschheit, über dieBeschaffenheit des Patrioten, über die Natur derGötter, über die Erlaubnisse des Vergnügens, überAnstand und Jucht — wie verschieden damals undfetzt! So weit Athen von Berlin, so weit müssensich die Jugendeindrücke Homers hierüber von demUrthcile.eines seiner heutigen Kunstrichter entfernen.Wer die Geschichte des menschlichen Geistes in allenZwischenzeiten zwischen Homer und uns kennet, werden Umwandlungen und Vermischungen der Begriffe»on menschlicher Natur, Religion, Gelehrsamkeit,