Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 4 (1821) Kritische Wälder ; 1
Entstehung
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

2l6

Kritische Wälder.

schon seyn wollen, u. s. w. Allein, diese eigne Gat-tung lächerlicher Kontraste macht noch nicht alle Gat-tungen, die ganze Art aus. Der Schwach-starke, derKlein-große, der Unwichtigwitzige in jeder Art, sindeben solche lächerliche Geschöpfe, als der Häßlich-schöne.

So darf auch nicht alles Schreckliche häßlich seyn.Wenn ein Wesen seiner Hökern Narur, seiner größernUebecmachl wegen, uns Schrecken *) gebietet; sodarf dies Schreckliche weder in dem Gegenstände mitFormen, noch in unsrer Seele mit Empfindungen desHäßlichen vergesellschaftet seyn. Ein Ungewitter z. E.oder, wenn ichs in ein Bild verwandele, ein donner-werfender Jupiter, kann fürchterlich, schrecklich seyn,aber ohne Verzerrung des Gesichts, ohne häßlicheFormen Ein brüllender Löwe z. E. kann, selbstwensi ich mich in Sicherheit fühle, mir ein schreckli-cher, ein schaudervoller, keinesweges aber deswegenein häßlicher Anblick seyn.

Es folgt also: daß, um die vermischten Empfin-dungen des Lächerlichen und Schrecklichen hervorzu-bringen , Häßlichkeit nicht jedesmal, nicht schlechthinals Ingrediens gebraucht werden dürfe. Es wird da-her dem Wesen einer Kunst anheim gestellt werdenkönnen, ob sie das, was sie nicht brauchen darf,brauchen könne, was sie nicht schlechterdingsbrauchen darf, hie und dort brauchen wolle.Ich fahre fort:

*) Die meisten Homerischen Götter sind schrecklich;aber deswegen auch häßlich?