Erstes Wäldchen. reu
halb in Verzweiflung, eines Räubers wegen, ihreKinder und Männer verlieren; eines Räubers we-gen , die Jbrigen begraben mußten. Hier empörtensich die Empfindungen der Bedrängten, hier flössenheiße Thranen der murrenden Unschuld. Und Pria-mns ließ sic nicht weinen ! Warum? Weiler ein un-gesitteter Barbar war, und seine Trojaner als solchekannte, die nicht zugleich weinen und streiten könn-ten? Wie, wenn er sie zurückgehalten hatte, als einVater seiner unglücklichen Stadt, und seines un-glückbringenden Sohnes? damit sie nicht in einemSchicksale, das ihm selbst so zu Herzen gieng, garmurren oder verzweifeln möchten? — Doch wenndas auch nicht, noch sind die Trojaner keine Lapp-länder, keine Scythcn: denn sic weinen ja um die
Ihrigen, und Pciamus befurchter eben ein zu wei-ches Herz, zu tief einfceffende Thranen. Geradealso das Gegentheil! — Doch aus solchen Deu-tungen kann man immer machen, was man will,und eine bloße Allegorie; „der Sinn des Dichtersgeht tiefer/' kann uns endlich so tief führen, daßder Boden sinkt.
Die ganze Dichtkunst der Griechen hat zu vielSpuren dieser Empfindbarkeit ihrer Nation zuSchmerz und Thranen, als daß man blos muth-maßen dürfte, und sie ist einem großen Theile nachgleichsam ein ganzer lebender Abdruck dieses Gefühls,dieser weichen Seele. Lasset uns diesen Theil dieelegische Poesie nennen; aber niemand verstehe hierunter diesem Namen jenen hinkenden Affen, der sichnach unfern weisen Lehrbüchern der Poesie bloß imSplbennlaas unterscheiden sott: sondern Elegie fty