wie oft hätte er nach seiner hohen, griechischen Ideezüchtigen, und seine Hand in Nebcnstrcichcn ermüdenmüssen! Und schreibt er also nicht als Kritikus desKunstgeschmacks; wie weit entfernter vom Kunstrich-ter der Poesie? Als Künstler las er die Dichter, alsKunstlehrer brauchet er sie, und würde nicht so habenschreiben können, wenn er auch selbst die Dichteranders, und nicht als Künstler gelesen. Er, dem,wie jenem griechischen Künstler, die Schönheit selbst,(aber die Kunstschö-nheit) erschienen war; bezaubertvon ihr, suchte er ihre Gestalt also mit Feuer inseinen Geist gemahlt, brennend in seinem Auge,und sich in seinem Herzen regend — diese Gestaltder Kunstschönheit, dies Bild der Liebe, suchte ecallenthalben, wollte sie auch im bloßen Abglanz se-hen ,, vermulhete sie selbst, wie Kleists Aniynt seinegeliebte Lalagc, auch in Fußtritten, auch im Bildedes Wassers, auch im Hauche des Zephyrs. ImGefühl also dieser bildenden und nicht dich-tenden Schönheit stand er auch vor Virgils Lao-koon, wie vor dem Laokoon des Agesander, undso muß er gelesen werden: denn das sind Schrankender menschlichen Natur, auf einmal nur Eines se-hen zu können, was man will und wie man will —Dieß Eine war bei Winkelmann die Kunst. Sollich ihm also Kenntniß der Alten absprechcn, weil erHomer nicht als Dichter, sondern als Künstler,nicht also des poetischen Wesens seiner Muse wegen,nicht wie Lessing, gelesen ? Soll ich ihm einen Sei-tenblick, den er auf die Poesie wirft, um seineKunst zu erläutern, und gesetzt dieser Seitenblickträfe auch nicht auf das Innere der Dichtkunst, zumHauptverbrechcn anrechnen? Und soll ich, weil Les-
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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 4 (1821) Kritische Wälder ; 1
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8
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