Erstes Wäldchen.
7
stcn schreibt, spricht— der Kritikus: der Kunstrichterdes poetischen Geschmacks: der Dichter. Wie
Sophokles Philoktet leide, und die Helden Homersweinen, und Virgils Laokoon den Mund offen, undkörperliche Schmerzen auf dem Theater winseln dür-fen — wie Virgil, Petron und Sadolet den Laokoonbilden, und der Dichter den Künstler, und wie derKünstler nachabmen könne — wer spricht hier über-all, als der Kunstrichter des Poeten? Dieser ists,der dem Philoktet des Ebakcaubrun einen Streichgiebt, der Spence'n und Eaylus ihre Fehlerzeiget, der Homers poetische Wesen clasflsicirt, undpoetische von der mahlcrffchen Schönheit unterscheidet —überall der Kunstrichter des Dichters: das ist seinGeschäft. Und sein Zweck derselbe. Dem falschenpoetischen Geschmack entgegen zu reden, die Granzenzwoer Künste zu bestimmen, damit die eine der an-dern nicht vergreisen, Vorarbeiten, zu nahe trete»wolle: das ist sein Zweck. Was er auf diesemWege von dem Innern der Kunst findet, freilichnimmt ers auf; aber mir noch immer Lesstng, derpoetische Kunstrichter, der sich selbst Dichter fühlt.
Winkelmann aber, ein Lehrer griechischerKunst, der selbst in seiner Kunstgeschichtemehr darauf bedacht ist, eine historische Metaphysikdes Schönen aus den Alten, absonderlich Griechen,zu liefern, als selbst auf eigentliche Geschichte, undalso auf eine Kritik des Kunstgeschmacks noch unei-gcntlicher. Um den falschen Geschmack andrer Zeitenund Völker ist ihm nie als um Hauptzweck zu thun'»den züchtigt er blos, wenn er neben oder unmittelbarvor den Alten ihm zu Gesicht kommt: denn sonst,