„Dieser ehrwürdige, fromme Mönch und der Himmel sind meineZeugen. Wenn ihr Carlo besser kennen und seine Geschichte ge-hört haben werdet, dann werdet ihr von selbst schreien, daß manihn losgebe. Ich sage euch dieß, damit, weun der Doge dort amFenster das Zeichen der Begnadigung gibt, ihr nicht ärgerlich werdetund glaubt, eurem Stande geschehe Unrecht. Der arme Carlo —"
„Das Mädchen ras't!" unterbrachen sie die mürrischen Fischer.„Hier istkcin Carlo, sondern ein öffentlicher Bravo, Jacopo Frontoni."'
Gelsomina lächelte in der Sicherheit ihrer Unschuld und fnbrfort, sobald sie wieder zu Athem kam, doch die heftige Aufregungstörte noch ihre Rede.
„Carlo — oder Jacopo — Jacopo oder Carlo — es kommtdarauf wenig an."
„Ha! ein Zeichen vom Palast!" rief der Carmeliter laut undstreckte beide Arme dorthin aus, als wollte er ein Gnadengeschenkhinnehmen. In demselben Augenblick tönten die Trompeten und vonNeuem wallte die Menge durcheinander. Gelsomina stieß ein Freu-dengeschrei aus und wendete sich schnell, um sich an die Brust desGeretteten zu werfen, da blitzte die Axt vor ihren Augen niederund Jacopo's Kopf rollte auf dem Pflaster dahin, als suchte er sie.Eine allgemeine Bewegung unter der Menge verrieth, daß Allesvorbei sei.
Die Dalmatier schwenkten in Kolonnen. Die Sbirren dräng-ten das Volk bei Seite, um heim zu gelangen; Wasser aus derBucht wurde auf die Fliesen gegossen, die blutigen Sägespähnewurden zusammengerafft, und Kopf und Rumps, Block, Trage-korb, Beil und Scharfrichter verschwanden. Der Haufe des Volksging um den verhängnißvollen Fleck herum.
Während dieses fürchterlichen Augenblickes standen Vater An-selmo und Gelsomina regungslos. Alles war vorüber und nochschien der ganze Vorfall Täuschung.
„Schafft diese Verrückte fort!" sagte ein Polizeibeamter und