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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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deutete auf Gclsoiniua. Man gehorchte ihm mit vcnetianischer Be-reitwilligkeit. Der Carmeliter athmcte kaum. Er starrte die be-wegliche Menge, er starrte die Fenster des Palastes und starrte dieSonne an, die so herrlich am Himmel strahlte.

Du bist verloren in dieser Menge," sprach eine Stimme nebenihm leise. Ehrwürdiger Carmeliter, du wirst woh l thun,mir zu folgen."

Der Mönch war zu tief gebeugt, um sich zu besinnen. SehrFührer brachte ihn, durch manche verborgene Straße, bis zu einemQuai, wo er sogleich eine Gondel bestieg, die nach dem Fcstlandefuhr. Ehe die Sonne im Mittage stand, war der in Gedanken ver-sunkene, zitternde Mönch aus dem Wege nach dein Kirchenstaate,und in Kurzem im Schlosse St. Agata wohnhaft.

Zur gewöhnlichen Stunde ging die Sonne hinter den Tyroler-Bcrgen unter, und der Mond kam über den Lido herauf. Dieengen Straßen Venedigs ergoßen ihre Tausende wiederum auf diePlätze. Das sanfte Licht streifte die seltsame Architektur und denschwindlig hohen Thurm , und warf einen bctrüglichen Glanz aufdie Jnselstadt.

Die Portico's erglänzten vom Scheine der Lampen. Die Fröh-lichen lachten, die Unbekümmerten tändelten, die Maskirteu ver-folgten ihre versteckten Zwecke; die Balladensängerund Spaßmacherübten ihre Streiche, und Unzählige gaben sich dem leeren Ergötzenhin, welches gedankenlose, müssige Leute lieben. Jeder lebte fürsich, und die Staatsmaschiue Venedigs behielt ihren lastervollenGang nach wie vor, welcher durch das verwegene Trugspiel, das ermit heiligen Grundsätzen trieb, die in der Wahrheit und im natür-lichen Rechte ihre Wurzel haben, Regierer und Regierte entwürdigteund endlich in's Verderben stürzte.

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Druck von C. Hosfinann in Stuttgart.