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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Denkst du, Vater, daß jemals das Gesetz sein Opfer er-reichen würde, wenn wir nur auf Sclbstanklagcn hörten! Ich hinalt, Mönch, und habe lange diesen mühseligen Schmuck getragen,"er wies auf die gehörnte Mütze, das Symbol des Staates, welcheneben ihm lag,und ich erinnere mich nicht, daß jemals ein Ver-brecher die Schuld auf etwas Anderes geschoben hätte, als aus un-günstige Umstände, deren Opfer er sei."

Daß die Menschen mit so betrüglichcm Trost ihr Gewissenbeschwichtigen, weiß ein Mann von meinem Berufe gar wohl. UnserTagewerk ist ja hauptsächlich, Denen ihre Täuschung nachzuweisen,welche, ihre eigenen Sünden durch Bckcnntuiß und Selbst-Erniedri-gung verdammend, auf ihre Dcmuth stolz sind. Aber, Doge vonVenedig! es gibt noch eine Kraft in dem heiligen Sakramente,welches ich diesen Abend zu verwalten bin gerufen worden, welcheden Stolz des ausschweifendsten Gcmüthes überwältigen kann. Vielesuchen sich selber zu betrügen bei der Beichte, aber durch GottesMacht gelingt es Wenigen."

Gepriesen sei dafür die gelobte Mutter und ihr Sohn, derMensch geworden," erwiedcrte der Fürst, von dem stillen Glaubendes Mönchs ergriffen, und bekreuzte sich fromm.Vater, du hastvergessen, den Verurteilten zu nennen."

Es ist ein gewisser Jacopo Frontoni, der als Bravo verrufen ist."

Der Fürst von Venedig stutzte, wechselte die Farbe und seinBlick verricth unverstelltes Erstaunen.

Sprichst du von dem blutigsten Stilett, das je die Stadtgeschändet hat, als von der Waffe eines blos sogenannten Bravo?Die Kunstgriffe des Ungeheuers sind mächtiger gewesen, als deineErfahrung, Mönch! Das treue Bekenntniß eines solchen Elendenkann nur eine Geschichte blutiger und empörender Verbrechen sein."

Als ich in sein Gesängniß trat, war ich derselben Meinung,aber ich ging fort in der Ueberzcugung, daß die öffentliche Stimmeihm unrecht gethan hat. Wenn Ew. Hoheit die Gnade haben will,