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seine Geschichte anzuhören, werdet Ihr ihn eher für einen Gegen-stand des Mitleids, als der Verdammung halten."
„Unter allen Verbrechern in meinem Reiche hätte ich diesen fürden Letzten gehalten, zn dessen Gunsten etwas vorgebracht werdenkönnte! Aber sprich frei, Karmeliter. Meine Neugier ist so großals mein Erstaunen."
Der Doge ließ seinen Gefühlen so ganz freie» Lauf, daß erim Augenblicke an die Gegenwart des Inquisitors gar nicht dachte,dessen Gesicht ihm sonst wohl mochte verrathcn haben, wie bedenk-lich die Sacke zu werden anfing.
Der Mönch dankte dem Himmel, denn es war nicht immerleicht in diesem gehcimnißvollcn Staate, die Wahrheit vor die Ohrender Mächtigen zu bringen. Wenn ein so doppelsinniges Wesen inder ganzen Verfassung herrscht, so verwebt sich der entsprechendeSinn in die Gewohnheiten der Freimüthigsten, wenn sie es auchselber uicht merken. Als daher Vater Anselmo zu der verlangtenErklärung schritt, berührte er schonend die Kunstgriffe des Staatesund deutete mit Zurückhaltung die Gebräuche und Meinungen an,welche ein Mann seines heiligen Berufes und seiner Redlichkeit un-ter anderen Umständen furchtlos verdammt haben würde.
„Es mag einem so hochgestellten Herrn, als Ihr seid, gebieten-der Fürst," begann der Karmeliter, „vielleicht fremd sein, daß einniedriger aber fleißiger Arbeiter dieser Stadt, ein gewisser Fran-cesco Frontoni, vor langer Zeit wegen Zollvcrbrcchen verurtheiltwurde. Dieses Verbrechen pflegt der Staat immer streng zu be-strafen, denn wenn die Menschen die Güter dieser Welt allemUcbrigcn vorziehen, so verkennen sie den Zweck, welcher sie zumgeselligen Verbände zusammcngeführt hat."
„Vater, wolltest du von einem gewissen Francesco Frontonisprechen?"
„Ja, Hoheit, so hieß er. Der Unglückliche hatte einen Mannzum Freunde und Vertrauten, welcher als Freier seiner Tochter um