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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Alter und dein Stand mit sich bringen, überwinden; furchtlos da-stehen und sprechen vor den Hohen und Gefürchteten?"

Ehrwürdiger Karmeliter, sprech' ich doch täglich ohne Furcht,wenn auch nicht ohne Ehrerbietung, zu Einem, der furchtbarer ist,als irgend Jemand in Venedig."

Der Mönch sah bewundernd auf das sanfte Wesen, in dessenZügen mild die Entschlossenheit glühte, welche Unschuld und Liebeverleihen. Er machte ein Zeichen, ihm zu folgen.

So wollen wir denn, wenn nichts Anderes hilft," sagte er,vor den Stolzesten und Furchtbarsten der Erde hintreten. Wirwollen unsere Schuldigkeit nicht versäumen, weder gegen den Be-drücker, noch gegen den Unterdrückten, aus daß keine Unterlassungs-sünde unser Gewissen beschwere."

Ohne weiteren Aufschluß zu geben, führte Vater Anselmo dasbereitwillige Mädchen in dcn Theil des Palastes, der als die Privat-wohnung des sogenannten Oberhauptes der Republik bekannt war.

Geschichtlich ist die Eifersucht der venetianischen Patricier, welcheden Dogen zu einem Spielzeug in ihren Händen machten, indemsie ihn, ihrer Regierungsmethode gemäß, zu nichts weiter gebrauchten,als zu einer Prunkfigur bei den imposanten Ceremonien, die ihrSchein suchendes System erforderte, und bei den Verhandlungenmit dem Auslande. Er wohnte in seinem Palaste, wie die Bienen-königin im Stocke, äußerlich geehrt und gepflegt, in Wahrheit abervon Denen abhängig, welche allein die Macht haben zu verletzen,und, gleich demselben Insekt, mehr als einen gewöhnlichen Theilvon den Früchten des gemeinsamen Fleißes verzehrend.

Vater Anselmo verschaffte sich durch seine Entschlossenheit unddurch die Zuversichtlichkeit seines Benehmens Zutritt zu den innerenGemächern eines Fürsten, der so abgeschlossen und bewacht lebte.

Mehrere Schildwachen ließen ihn durch, aus seinem heiligenStande und seinem gemessenen Schritte schließend, daß der Mönchin seinem gewöhnlichen Dienste herkomme, der ihm ein Vorrecht vor