Unfehlbarkeit zu gefährden. Das Ansehen einiger Vornehmen von Adelkam in das Gedränge, und ich fürchte, in diesem Rathscollegium herrschteine Sittlichkeit, der die That des Menschen für eine andere gilt, als diedes Senators, und welche die Politik höher stellt, als die Gerechtigkeit."
„Das mag wahr fein, mein Sohn. Wenn eine Verfassungaus falschen Grundsätzen beruht, so kann sie natürlich nur durch Lugund Trug erhalten werden. Gott wird diese Sache anders ansehen!"
„Sonst wäre auch kein Trost in der Welt, Vater! Nach jahre-langen Bitten und Verwenden erhielt ich, nachdem man mir einenfeierlichen Eid abgenommen, Zutritt zum Gefängniß meines Vaters.Ich fühlte mich glücklich, daß ich für seine Bedürfnisse sorgen, seineStimme hören, vor dem Segnenden knieen durste. Gelsomina wardamals ein Kind nahe zur Jungfrau. Mich zu meinem Vater zuführen, gebrauchte man sie, ich wußte nicht weßhalb, obgleich esmir später klar geworden ist. Als sie mich genugsam in ihrenSchlingen verstrickt glaubten, verleiteten sie mich zu den Mißgriffen,welche alle meine Hoffnungen zerstört und mich in diese Lage ge-bracht haben."
„Du hast deine Unschuld erwiesen, mein Sohn."
„Keines Blutvergießens bin ich schuldig, Vater, wohl aber desFrevels, mich zu ihren Kunstgriffen hergegeben zu haben. Ich willEuch nicht die langwierige Geschichte der Mittel, durch welche siemein Gemüth bearbeiteten, hererzählen, frommer Mönch. Manvereidete mich, dem Staate eine Zeitlang als geheimer Agent zudienen. Der Lohn sollte meines Vaters Freiheit sein. Hätten siemich mitten aus dem Leben heraus und während ich Herr meinerSinne war, gefaßt, nimmer würden sie gesiegt haben; aber da ichtäglicher Augenzeuge war von den Leiden Dessen, der mir das Lebengeschenkt, der mir nunmehr Alles war, was ich noch übrig hatte,so waren sie zu mächtig für meine Schwachheit. Sie sprachen mirheimlich von Foltern und Rädern, zeigten mir Gemälde von sterben-den Märtyrern, um mir die Qual begreiflich zu machen, welche sie