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„Meine Tochter, was willst du hier — und wer bist du?"fragte der Mönch.
„Die Tochter des Oberschließers," sagte Jacopo, da er bemerkte,daß sie nicht zu antworten vermochte: „ich habe sie bei meinenmancherlei Geschäften im Gefängnisse kennen gelernt."
Vater Anstlmo sah die Beiden abwechselnd an. Seine Mienewar Anfangs streng, milderte sich dann, und wurde endlich ganztheilnchmend, als er ihren beiderseitigen Kampf bemerkte.
„Das ist die Folge menschlicher Leidenschaften," sagte er halbim Tone des Trostes, halb des Vorwurfes. „So sind die Früchtedes Verbrechens immer."
„Vater," sagte Jacopo ernst. „Mir allein mag dieß Wortgelten, denn die Engel im Himmel sind nicht unschuldiger als dießweinende Mädchen."
„Das höre ich gern. Ich will dir glauben, unglücklicherMann, und freue mich, daß deine'Seele nicht belastet ist mit derSünde, solch' junges Geschöpf verführt zu haben."
Die Brust des Gefangenen hob sich und Gelsomina schauderte.
„Warum hast du deiner Schwachheit nachgegeben und bistin den Kerker gekommen?" fragte der Karmeliter, indem er sichzwang, eine tadelnde Miene anzunehmcn, der jedoch das Gefühlund die Milde seines Tones widersprachen. „Hast du den Charakterdes Mannes gekannt, de» du liebtest?"
„Unbefleckte Maria!" schrie das Mädchen, „nein—nein — nein!"
„Nun, so bist du jetzt, da du die Wahrheit erfahren hast,gewiß nicht mehr das Opfer thörichter Einbildungen."
Gelsomina's Blick war verwirrt, obgleich Angst jeden andernAusdruck verdrängte. Sie senkte den Kops vor Scham und Schmerzund schwieg stille.
„Ich weiß nicht, Kinder, wozu diese Zusammenkunft dienensoll," fuhr der Mönch fort. „Ich bin hergeschickt, die letzte Beichteeines Bravo anzuhören, und du, die du gewiß so viele Ursach