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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Noch immer wurden vor dem Mar des heiligen Marcus Messengelesen für die Seele des alten Antonio. Voran war unter denPriestern der gute Carmeliter, welcher nicht an Müdigkeit nochHunger dachte, in der frommen Begierde, die Dienste der Kirchezum Besten eines Mannes zu verrichten, von dessen Schicksal manfast sagen kann, daß er Augenzeuge gewesen. Doch blieb sein Eiferin diesem Augenblicke der Aufregung Aller unbemerkt, nur nichtDenen, deren Geschäft es war, jedes auffallendere Benehmen, jedenungewöhnlichen Umstand argwöhnisch zu belauern. Als der Car-meliter sich endlich vom Altäre entfernte, kurz ehe die Leiche weg-getragen wurde, fühlte er sich leise am Aermcl seines Kleides fort-gezogen. Er folgte der Bewegung und befand sich alsbald zwischenden Säulen der dunklen Kirche einsam einem Fremden gegenüber.

Vater, du hast manchem Sterbenden die Absolution ertheilt!"sagte der Andere mehr mit zuversichtlichem, als mit fragendem Tone.

Es ist die Pflicht meines heiligen Amtes, mein Sohn."

Der Staat wird deine Dienste anerkennen. Man wird deinerbedürfen, sobald die Leiche dieses Fischers beerdigt ist."

Der Mönch schauderte, aber sich verbeugend, senkte er seinbleiches Antlitz zum Zeichen, daß er bereit sei, seine Pflicht zu er-füllen. In diesem Augenblick ward der Leichnam aufgehoben, unddie Procession begab sich hinaus auf die Piazza. Zuerst gingen,wie gewöhnlich, die Laienbrüder der Kathedrale. Dann folgtenDiejenigen, welche die erforderlichen Gebete absangen. Unter ihnennahm der Carmeliter eilig seinen Platz/ Hierauf kam die Leiche,aber nicht in einem Sarge, denn diesen Luxus bei der Beerdigungkennen auch die heutigen Italiener aus dem Stande des alten An-tonio noch nicht. Die Leiche war mit den Feiertagskleidcrn einesFischers angethan; Hände und Füße waren nackt; ein Kreuz lagauf der Brust; die grauen Haare flatterten im Winde; und dasGespenstige des Todes war furchtbar gehoben durch einen an denMund gelegten Blumenstrauß. Die Bahre war reich an Vergoldung

Der Bravv. Zg