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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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wärtig müssen wir diesen Anschlag gegen das Leben eines unter demSchutze unserer Gesetze gestandenen Mannes in Erwägung ziehen?'

Nun entspann sich unter den Dreien eine angelegentliche Dis-cusflon über die beiden Verbrecher. Venedig war, wie alle despoti-schen Regierungen, ausgezeichnet durch seine Kriminalpolizei, wennes ihm nämlich beliebte, dieselbe in Thätigkcit zu setzen. In allenFällen, welche nicht die Politik des Staates angingen, oder keineBestechung zuließen, war die Justizpflege vollkommen zuverlässig.Bestechung kam übrigens bei weitem nicht so häufig vor als inanderen Gesellschaften geschieht, wo die Reichen minder in dasStaatsintercssc verflochten sind, denn Venedig war eifersüchtig, undnutzte die beständige Thätigkcit solcher Leute, die man vor der Ver-suchung dadurch bewahrte, daß man ihnen durch mancherlei Mono-pole Gewinn sicherte. Signor Soranzo hatte nun eine schöneGelegenheit, seine hochherzige Gesinnung geltend zu machen. Erwar zwar ein Verwandter des Hauses Gradcnigo, nahm aber dochkeinen Anstand, das Betragen des jungen Adeligen ernstlich zn rügen.Er begehrte zuerst, daß ein schreckendes Excmpel statuirt und derWelt bewiesen würde, daß in Venedig die Geburt nicht zu Ver-brechen bevorrechte. Von dieser Ansicht der Sache ward er jedochdurch seine verschlagenen Kollegen zurückgebracht, welche ihn erin-nerten, daß die Gesetze zwischen beabsichtigten und begangenen Ver-brechen einen Unterschied machten. Von seiner ersten Meinung ab-gelenkt durch die kältere Erwägung seiner Kollegen, schlug der jungeInquisitor vor, die Sache zur Entscheidung den gewöhnlichen Ge-richten zu übergeben. Es fehlte?ncht an Beispielen, daß die vene-tianische Aristokratie Einen aus ihrer eigenen Mitte dem Scheineder Gerechtigkeit zum Opfer gebracht hatte; denn solche Fälle, mitKlugheit geleitet, statt ihre eigene Macht zu schwächen, vergrößertensie nur. Allein das vorliegende Verbrechen war ein zu gewöhnliches,als daß es sich verlohnt hätte, so überschwenglich freigebig in Auf-opferung eigener Gerechtsame zu sein, und die alten Inquisitoren