424
in unserer Stadt begangen worden. Hast dn einen edlen Calabricrgekannt, welcher auf die Scnatorwürdc Anspruch wachte, und laugesich hier in Venedig anfhiclt?"
„Ja, Signore."
„Hast du mit ihm zu thun gehabt?"
„Ja, Signore."
Eine Bewegung unter den Zuhörern verriet!) den Anthcil,welchen Alle nahmen.
„Weißt du, wo Don Camillo Monfortc sich gegenwärtigbefindet?"
Jacopo zauderte. Er kannte die Mittel, welche dem Senatzu Gebote standen, um sich Von Allem in Kenntniß zu setzen, sogut, daß er in Zweifel gerietst, in wiefern es räthlich wäre, seinenAnthcil an der Flucht der Liebenden zu läugnen. Außerdem hattesich in diesem Augenblick ein tiefes, heiliges Gefühl für Wahrheitin seinem Gcmüthc eingedrückt.
„Kannst du Auskunft geben, warum der junge Herzog nichtin seinem Palaste gefunden wird?" wiederholte der Sekretär.
„Jllustrissimo, er hat Venedig für immer verlassen!"
„Woher weißt du das? Hat er einen gemeinen Bravo zuseinem Vertraute» gemacht?"
Ein Lächeln voll überlegenen Selbstbewußtseins blitzte überJacopo's Züge, und veranlaßte den wohlunterrichteten Agenten desgeheimen Tribunals, tief in seine Papiere hinein zu blicken, gleichEinem, der sich getroffen fühlt.
„Bist du sein Vertrauter? Ich frage noch einmal."
„Signore, in dieser Sache, ja! Ich habe die Versicherungaus Don Camillo Monsorte's eigenem Munde, daß er nicht wicder-kommen wird."
„Das ist unmöglich, da er somit all' seine schönen Hoffnungenund glänzenden Güter aufopfern würde."