422
„Dank, Vater, Dank! mir thut Fürbitte noth!"
„Ich habe Gottes Gnade für dich angernscn — ich habe micherinnert — aller deiner Liebe nnd Sorgfalt — aller deiner Erge-bung in mein Alter und meine Leiden. Als du ein Kind warst,Jacopo — verleitete mich — Zärtlichkeit für dich — zur Schwach-heit. — Da zitterte ich, daß dein Mannesalter — Leid und Reueüber mich bringen würde. — Du kennst nicht die Sorgen — einesVaters um sein Kind — aber du hast sie wohl vergolten. Kniehin, Jacopo — daß ich Gott noch einmal — bitten möge, deinerzu gedenken."
„Ich bin neben dir, Vater."
Der alte Mann hob seinen schwachen Arm empor, und miteiner Stimme, deren Kraft sich neu zu beleben schien, sprach ereinen glühenden, feierlichen Segen.
„Der Segen eines sterbenden Vaters wird deine Tage versüßen,Jacopo," sagte er nach einer Pause, „und deinen letzten Augen-blicken Frieden geben."
„Das wird er, Vater."
Ein rauher Ruf von der Thüre her unterbrach sie.
„Komm, Jacopo," sagte einer von den Schließern, „der Rathverlangt dich."
Jacopo fühlte das krampfhafte Zucken seines Vaters und gabkeine Antwort.
„Wollen sic dich nicht — noch ein paar Minuten hier las-sen?" stammelte der alte Mann; „ich werde dich nicht lange mehraufhalten."
Die Thüre ging auf und ein Strahl der Lampe fiel auf dieGruppe im Gemach. Der Schließer war so menschlich, wiederzuzumachen und Alles im Dunkel zu lassen. Jacopo gewanndurch dieß Streiflicht einen letzten Blick in seines Vaters Gesicht.Der Tod hauste darin entsetzlich, aber die Augen waren in unaus-sprechlicher Liebe dem Sohne zugekehrt.